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Patrick O'Brian - Die Aubrey/Maturin-"Saga" (Romanreihe)

Nein, normalerweise lese ich keine Seefahrerromane. Aufmerksam wurde ich auf diese Reihe durch den Film "Master and Commander", eigentlich immernoch einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre, welcher auf der Buchreihe basiert. Mich beeindruckte die schonungslose, realistische Art wie der Alltag auf einem Kriegsschiff der englischen Marine, fernab von jeglichen "Fluch der Karibik"-Klischees (und - was zumindest ich sehr erfrischend finde - auch fernab von den üblichen Hollywood-Standard-Erzähldramaturgien) dargestellt wurde. Die großartigen Hauptdarsteller, Russell Crowe als Kapitän Jack Aubrey und Paul Bettany als Schiffsarzt Steven Maturin, taten ihr übriges.

Aber eigentlich wollte ich ja über die Bücher schreiben :-) Sowohl die Titel der einzelnen Romane wie "Kurs auf Spaniens Küste", "Duell vor Sumatra", "Feindliche Segel" als auch die Covergestaltung scheinen auf 08/15-Seefahrerromantik-Romane hinzudeuten. Zumindest nach meiner Einschätzung ist das weit gefehlt. Die Bücher sind erzählerisch ausserordentlich gut, fast mit der beste Kompromiss zwischen fliessender Lesbarkeit und Anspruch den ich je kennengelernt habe. Hauptsächlich leben die Geschichten von der Freundschafts-Beziehung Aubrey/Maturin. "Lucky Jack" Aubrey, bärbeißiger, charakterlich schlichter aber gutmütiger und seefahrerisch überragender Skipper und den intellektuellen und liberalen, jedoch auch ziemlich weltfremden Arzt und Hobby-Zoologen Maturin verbindet eine spezielle Freundschaft wie es sie nur zwischen zwei derartig gegensätzlichen Charakteren geben kann. Allein für die traumwandlerische Sicherheit wie diese Zweier-Seilschaft dargestellt und durch diverse "schwere Seen" gejagt wird lohnt sich die Lektüre.

Dazu gesellen sich die Qualitäten einer sehr fundierten Kenntnis der Zustände der damaligen Gesellschaft wie der Marine und geradezu schwindelerregend präzise Darstellungen seefahrerischer Manöver und Techniken, denen der kenntnislose Leser nicht wirklich folgen kann, zum Glück aber auch nicht muss (Tip: Jedes Buch endet mit einem Seefahrerlatein-Glossar :-). Inhaltlich wird oft ein sehr hohes Tempo vorgelegt, auf Dialogen und selbst auf Seeschlachten wird selten lange verweilt, Verluste nur kurz betrauert (was der Tiefe meiner Meinung nach besser gerecht wird). Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, ich aber finde das eine willkommene Abwechslung von den Logorhoe-Orgien die ansonsten in Roman-Schinken angesagt sind. Es kommen auch so zwanzig Bände zusammen :-)

Also Tip von dieser Seite: 1. Film besorgen. 2. Bei Gefallen einfach weiterlesen.

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